Cinémathèque Respektive


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Filme zum Weltuntergang
 


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Eigentlich sollte es die Online-Ausgabe von Respektive gar nicht geben und ihr solltet das nicht lesen können dürfen. Denn am 21. Dezember hätte ja bekanntlich die Welt untergehen sollen. Dies – so hiess es – verkünde der Maya-Kalender, der an besagtem Datum enden würde. Nix war! Welt steht noch. Dass übrigens der Maya-Kalender auch nie das Ende der Welt für dieses Datum vorausgesagt hat und was es mit dem Datum und der angeblichen Prophezeiung auf sich hat, findet man hübsch und einfach hier oder auch da erklärt.

Nun denn, für alle die nun enttäuscht sind, weil sie sich ein riesiges und finales Spektakel erhofft hatten, gibt’s hier als kleine Entschädigung eine kleine und spontan zusammengestellte Liste mit lohnenden Filmen jenseits von Hollywood zur Apokalypse. Der Untergang lässt sich nämlich weit erhabener im sicheren Rahmen ästhetischen Scheins begehen. So viel sei versichert.

»Melancholia« (Lars von Trier, 2011)
Der, wie ich meine, beste Weltuntergang Film im eigentlichen Sinne überhaupt, in dem ein riesiger Komet sich unaufhaltsam der Erde auf Kollisionskurs nähert. Lars von Trier schafft es, die Melancholie der letzten Tage zur  atmosphärischen Stimmung einer Filmwelt zu machen, in der Angst, absolutes (weil an nichts mehr sich bindendes) Glück, Schönheit und Grauen nahe beieinander liegen, ja ineinander übergehen.

»Beasts of the Southern Wild« (Benh Zeitlin, 2012)
In seinem Regiedebut zeigt uns Benh Zeitlin eine kleine, »Bathtub« genannte Armensiedlung in einem Delta der südlichen USA. Die Pole schmelzen, der Wasserspiegel steigt und droht die Siedlung mitsamt ihren Bewohner_innen ständig zu überschwemmen. Jeder Sturm könnte des Ende dieser kleinen Welt bedeuten, dem die Menschen – allen voran das Mädchen Hushpuppy und ihr Vater – trotzen.
Auch wenn der Film etwas gar krampfhaft auf naiv-unschuldiger Kinderblick getrimmt ist und sicherlich in seiner trotz begrüssenswert eigenwilligen Tendenzen doch immer wieder zu grossen Nähe zu einem sentimentalen Mainstreamkino seine Schwächen hat, ist er doch in seiner Art berührend, was sicherlich auch viel mit dem Spiel der beiden Hauptdarsteller_innen (beides Leihen) zu tun hat.

»The Day After« (Nicholas Meyer, 1983)
Ein Film über die atomare Apokalypse mit vor allem für einen TV-Film ziemlich schonungslosen und brutalen Bildern. Nach dem Beginn eines nuklearen Krieges sehen wir zunächst gigantische Feuermassen und Druckwellen einen Grossteil der Menschen und Bauwerke hinwegfegen, während der zweite Teil des Films das langsame Dahinsiechen der Überlebenden zeigt. Klassiker!

»The War Game« (Peter Watkins, 1965)
Eine fiktive Dokumentation über die Auswirkungen eines nuklearen Krieges in einer englischen Stadt. Der Film weist schon die komplex selbstreflexive und mit verschiedenen Ebenen der Fiktion und Realität arbeitende Methode auf, welche die späteren ganz grossen Filme von Peter Watkins prägt ( »Edvard Munch« oder »La Commune (Paris, 1871)«). In »The War Game« wirkt der Kontrast zwischen den gezeigten Bildern des Todes, der Verletzungen und des Untergangs und einem in die Filmwelt integrierten (pseudodokumentarischen) Filmblick, der zwischen Nüchternheit und Ohnmacht pendelt, als Ausgangspunkt Reflexionen, die uns Zuschauer_innen miteinbeziehen.

»Dead or Alive« (Takashi Miike, 1999)
Auch in Miikes „Dead or Alive“ geht ganz zum Schluss nicht nur Japan, sondern die ganze Welt unter, hier allerdings in der grotesken Überspitzung einer schwarzen, nihilistischen Komik zu der eben Miike alleine fähig ist.

»4:44 Last Day on Earth« (Abel Ferrara, 2011)
Ein Mann und eine Frau in einer New Yorker Wohnung warten auf den von Wissenschaftlern auf Punkt 04:44 Uhr morgens prognostizierte Weltuntergang. Was tun am letzten Tag? Ferraras Film besticht dadurch, dass er die erwartete Panik gerade nicht ausbrechen lässt und das Spektakel verweigert. Das Stellen der Sinnfrage angesichts des absoluten Endes wird zum absurden Streben, in dem esoterische Verlautbarungen, wissenschaftliche Erklärungen und hedonistische Praktiken aufblitzen, ihr Recht behaupten und doch versagen. Was bleibt, ist ein ebenso dichter wie beklemmender und intelligenter Film.

»Lektionen in Finsternis« (Werner Herzog, 1992)
Herzogs kommentarlose und mit nur wenigen Interviews ergänzte dokumentarische Bilder von den brennenden Ölfeldern während des ersten Irakkriegs in den frühen 1990er Jahren zeigen zwar nicht das Ende aller Dinge überhaupt, haben aber in der fast meditativen Ruhe der alptraumhaften Visionen, als die sie erscheinen, unbestreitbar eine auf Apokalypse gestimmte Atmosphäre.

Dies ist nur eine kleine und – wie gesagt – zufällige Auswahl. Alle Ergänzungen sind sehr willkommen!

2 Kommentare

  1. Hans Knoll sagt:

    Ich meine, dass in diese Reihe auch der hervorragendes Film «Songs from the Second Floor» von Roy Andersson passt. Es geht zwar nicht direkt um den Untergang des Planeten Erde, aber immerhin um sowas wie das (nicht endenwollende) Ende der bürgerlichen Gesellschaft. Das zeigt sich nicht nur in der permanenten Katastrophe und den verrückten Reaktionen des Personals von Staat, Kapital und Religion, sondern auch in den unzählichen persönlichen Weltuntergängen, die die Darsteller durchleben: Entlassung, Ende der «Liebe», Einlieferung in die Psychiatrie. Darüber hinaus macht die sich durchziehende traurig-apokalyptische Stimmung den Film zum perfekten Kino für den (ganz alltäglichen) Weltuntergang.

    • Lukas Germann sagt:

      Ja, »Songs from the Second Floor« gehört da unbedingt dazu! Mir gefällt deine Interpretation des Films als »nicht enden wollendes Ende der bürgerlichen Gesellschaft«. Insofern könnte man den Film vielleicht als ins wahrlich Apokalyptische gesteigerte Aktualisierung von Bunuels »El ángel exterminador« (Der Würgeengel) für’s 21. Jahrhundert sehen? Da versammeln sich reiche Leute zu einer Party, von der sie sich nicht mehr entfernen können und die sich deshalb ins Unendliche dehnt.

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